Am Dienstagabend traf sich in einer Berliner Kneipe zum zweiten Mal der Arbeitsausschuss von Aufstehen. Was ist denn jetzt schon wieder der Arbeitsausschuss? Was macht der? Und überhaupt: Wie funktioniert Aufstehen denn gerade? Von Wolfgang Zarnack

Auf der Homepage erfährt man dazu jetzt mehr und kann auch dort von den Teams lesen, die einen riesigen Anteil der Arbeit leisten, die nötig ist, um so eine Bewegung am Laufen zu halten:

Die Bewegung war am Dienstag auf den Tag genau 6 Wochen alt. Ein erstes Ziel war es, 100.000 Menschen bei Aufstehen zusammenzuführen. Dass dieses Ziel schon am ersten offiziellen Tag erreicht war, kam für alle unerwartet und hat uns überwältigt. Nun sind wir knapp 160.000 Menschen in der Bewegung. Wir müssen uns im Gehen organisieren – und das alles auf ehrenamtlicher Basis, also nach Feierabend und ohne Konzernspenden.

Es gab viel darüber zu berichten, welche Strukturen aufgebaut wurden, wie die Verantwortlichkeiten verteilt werden, was bereits gelingt und woran es noch hapert. Glaubt man Jenen, die wollen, dass Aufstehen scheitert, hat sich Aufstehen gleich wieder hingesetzt. Tatsächlich ist jenseits des Scheinwerferlichts in nur 6 Wochen viel passiert: Mittlerweile haben sich mehr als 70 Ortsgruppen gegründet! Die Arbeitsteams haben sich zusammengefunden, um die anfallenden Aufgaben abzuarbeiten. Am Anfang stapelten sich z.B. die unbeantworteten Mails und wuchsen zu tausenden an. Inzwischen können wir deutlich schneller antworten und auch die Mails an die richtigen Personen weiterleiten. Wir sind noch lange nicht da, wo wir sein wollen, aber es wird besser. Und wie ein SPD-Mitglied in der Runde sagte: „Wir schaffen mit Freiwilligen, wofür andere hunderte oder tausende bezahlter Mitarbeiter haben.“

Von einigen Teamleitern, die ebenfalls zu dem Treffen geladen waren, kam auch das klarste Feedback in die Runde: Der Wunsch nach einer großen Kampagne, der Wunsch nach Mitbestimmung und der Wunsch nach Transparenz. Das sind selbstredend auch unsere Wünsche. Bisher mangelte es nicht am Willen, sondern an Zeit und Kapazität. Dieser erste Bericht soll zumindest in Sachen Transparenz einen kleinen Beitrag leisten.

Nach einer Debatte zu unserer Beteiligung an „#unteilbar“, sowie einem sehr aufbauenden Bericht über unsere Teilnahme an den Protesten im Hambacher Forst, gab es einen Bericht über unsere Mitgliederzahl und den Stand unserer Kasse. Wir haben uns bisher gescheut, ohne größere Kampagne oder Aktion um Spenden zu werben. Verbunden mit unserer nächsten Aktion soll ein Werbevideo entstehen, das zu Spenden aufruft.

Nach den organisatorischen Aufgaben, sind es vor allem die strategischen Fragen der Sammlungsbewegung, die der Arbeitsausschuss zu treffen hat. Den größten Teil der Zeit nahm die Diskussion über unser weiteres Vorgehen ein, das wir so schnell wie möglich mit allen Mitgliedern auf Pol.is diskutieren wollen. Mit dem gesammelten Wissen aller Beteiligten von Aufstehen wollen wir Forderungen und Vorschläge formulieren, um damit in der Öffentlichkeit Druck aufzubauen. Dieser Prozess der Meinungsbildung wird Wochen, wenn nicht Monate in Anspruch nehmen. Unsere Überzeugung ist: Diese Prozess wird in seinen Resultaten, die er zu Tage fördert, als auch in der Art und Weise seiner Entstehung, einen Neubeginn bedeuten.

Und klar ist auch: Wir wollen Aufstehen auf die Straße bringen, um wieder sozialen Themen eine laute Stimme zu geben. Über unsere Ideen dazu werden wir unsere Mitstreiter entscheiden lassen. Wir werden Vorschläge unterbreiten, wie unsere Aktivisten vor Ort agieren könnten. Aufstehen braucht Zeit und Eure Kraft!

Wolfgang Zarnack ist Mitglied des Arbeitsausschusses von Aufstehen